Schimmelpilzerkrankungen der Atmungsorgane (Aspergillose) bei Papageienvögeln
Was ist die Aspergillose?
Die Aspergillose ist primär eine Erkrankung der Atmungsorgane der Vögel. Sie wird in den meisten Fällen durch Schimmelpilze der Gattung Aspergillus (daher der Name) hervor-gerufen.
Welche Vögel sind betroffen?
Die Erkrankung betrifft überwiegend Papageien und Sittiche aus tropischen Gebieten. Es können aber auch andere Vogelarten erkranken.
Warum erkranken überwiegend Vögel aus tropischen Regionen?
Vögel aus tropischen Regionen sind optimal an das Leben in feuchtwarmer Umgebung angepaßt. Werden diese Tiere in unseren Breiten gehalten, so sind sie gänzlich anderen Bedingungen ausgesetzt. Ein besonders großes Problem hierbei ist v. a. die relative Luftfeuchtigkeit. Während diese in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Vögel i. d. R. zwischen 70 und 100 % liegt, erreicht sie bei uns v. a. in den Wintermonaten (während der Heizperiode) meistens nur deutlich geringere Werte. Dies führt zu einer Schwächung der lokalen Abwehr in den Atmungsorganen der Tiere.
Müssen sich die Vögel bei kranken Tieren anstecken?
Nein. Die Sporen der Schimmelpilze sind in unserer Umwelt allgegenwärtig (man denke nur an die vielen Lebensmittel, die immer wieder durch Schimmelpilze verderben, ohne daß sie durch „irgendjemanden infiziert“ wurden).
Welche Faktoren tragen noch zur Entstehung der Krankheit bei?
Bei der Aspergillose handelt es sich um eine sogenannte „Faktorenkrankheit“. Das bedeutet, daß ein alleiniger Auslöser kaum in der Lage ist, ein gesundes Tier krank werden zu lassen. Alle Umstände, die das Immunsystem des Vogels negativ beeinflussen, können potenziell die Entstehung einer Aspergillose begünstigen. Hierzu zählen vor allem „Streß“, Fehlernährung bzw. Vitaminunterversorgung sowie sogenannte Grundkrankheiten. Desweiteren kann eine hohe Schimmelpilz¬sporenbelastung (schlechtes Raumklima, Verfüttern von „überlagerten“ Futter¬mitteln bzw. von Nüssen) die Entstehung der Erkrankung begünstigen.
Welche Symptome sind bei der Erkrankung zu erwarten?
Die Aspergillose ist in den meisten Fällen primär eine Erkrankung der Atmungsorgane des Vogels. Hieraus läßt sich aber nicht der Rückschluß ziehen, daß erkrankte Tiere ausschließlich durch Atemnot auffallen. Vielmehr ist es bei vielen Patienten so, daß sie nur milde oder gar keine Anzeichen einer Atemwegserkrankung zeigen, dafür aber an Teilnahmslosigkeit, Schläfrigkeit, Durchfall, Erbrechen oder gar zentralnervösen Störungen leiden. Diese scheinbar untypischen Symptome werden durch Toxine (Giftstoffe), die die Pilze bilden und die sich im Vogelkörper verteilen, verursacht.
Was kann man vorsorglich gegen die Aspergillose tun?
Als Vorsorge gegen das Auftreten einer Aspergillose sind alle Maßnahmen zu nennen, die den Vögeln ein möglichst artgerechtes und streßfreies Leben gewährleisten. Hierzu gehört (je nach natürlichem Verbreitungsgebiet der jeweiligen Art) die Haltung der Tiere bei hoher bis sehr hoher relativer Luftfeuchtigkeit, eine vielfältige und vitaminreiche Ernährung, das Zufüttern von Vitamin-Mineralstoff-Mischungen (z. B. Korvimin ZVT ®) und ein gutes Raumklima (geringe Schimmelpilzsporenbelastung der Atemluft, kein (!) Zigarettenrauch, keine reizenden Dämpfe von Lösungsmitteln o. ä., viel Frischluft).
Mein Vogel wurde gegen Aspergillose behandelt. Ist er jetzt für „alle Zeiten“ geheilt?
Nein. Die Erfahrung zeigt leider, daß Vögel, die einmal an einer Aspergillose gelitten haben, zeitlebens empfindlicher für das (Wieder-) Auftreten der Symptome sind als Tiere, die noch nie erkrankt waren. In vielen Fällen muß man davon ausgehen, daß die Patienten nicht wirklich geheilt sind; unter der Therapie kommt es aber i.d.R. zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik. Um das Wiederauftreten der Symptome zu vermeiden, kommt der Prophylaxe eine ganz besondere Bedeutung zu.
Mein Vogel hatte Aspergillose. Was kann ich tun, damit er nicht wieder erkrankt?
Zunächst einmal sollten (sofern dies noch nicht geschehen ist) alle Maßnahmen ergriffen werden, die generell der Vermeidung der Entstehung einer Aspergillose dienen (siehe oben). Desweiteren kann es in einigen Fällen (nach ausführlicher Rücksprache des Falles mit dem Tierarzt) ratsam sein, regelmäßig im Herbst (vor der Heizperiode) und im Frühjahr (nach der Heizperiode) „Inhalationskuren“ mit Imaverol® durchzuführen.
Auf den Punkt gebracht
Theoretisch kann jeder Vogel an der Aspergillose erkranken, in sehr vielen Fällen sind aber Papageien- und Sitticharten aus tropischen Herkunftsgebieten betroffen
Die Aspergillose ist keine klassische Infektionskrankheit (bei der ein krankes Individuum ein anderes ansteckt); sie ist eine Faktorenkrankheit, die v. a. durch ungünstige Haltungs-bedingungen ausgelöst wird
Da viele Patienten mit Medikamenten nicht völlig geheilt werden können, kommt der Prophylaxe eine ganz besondere Bedeutung zu um das Wiederauftreten von Symptome zu vermeiden
Wir können nicht die Vögel an unsere Bedingungen anpassen. Wir müssen die Umweltbedingungen an die Bedürfnisse der Vögel anpassen!!!
