Kastration / Sterilisation
Die Kastration ist die chirurgische Entfernung der Keimdrüsen. Beim weiblichen Tier werden dabei die Eierstöcke, beim männlichen Tier die Hoden und die Nebenhoden entfernt. Bei der Sterilisation handelt es sich nicht, wie oft falsch behauptet wird, um die Kastration eines Weibchens, sondern lediglich um das Abbinden der Eileiter bzw. der Samenleiter; die Keimdrüsen verbleiben also im Körper. Sowohl die Kastration als auch die Sterilisation verhindern eine Trächtigkeit und somit unerwünschten Nachwuchs. Allerdings wird bei unseren Haustieren im Gegensatz zum Menschen lediglich kastriert, nicht sterilisiert, da die Fortpflanzungskontrolle nur ein Ziel des operativen Eingriffs ist. Weiterhin soll während der Pubertät eintretenden Verhaltensänderungen (z. B. Läufigkeit der Hündin und daraus resultierende Reaktion der Rüden, bestimmte Formen der Aggressivität des Rüden, Rolligkeit der Katze, Markierverhalten des Katers, etc.) vorgebeugt und dem Auftreten bestimmter hormonabhängiger Krankheiten (z. B. Brustkrebs, Gebärmuttererkrankungen, Zuckerkrankheit bei Hündinnen, Hodentumoren, Veränderungen der Vorsteherdrüse bei männlichen Tieren) entgegen gewirkt werden. Statistiken belegen, dass in jungen Jahren kastrierte Tiere im Durchschnitt eine höhere Lebenserwartung als intakte Tiere haben.
Hund
Die Kastration der Hündin verhindert unerwünschte Trächtigkeiten und erleichtert die Haltung. Die Läufigkeit mit all ihren Unannehmlichkeiten wie Attraktivität für Rüden und blutiger Scheidenausfluss fallen weg. Daneben gibt es auch medizinische Argumente, eine Hündin kastrieren zu lassen. Erkrankungen der Eierstöcke (z. B. Tumore), der Gebärmutter (z. B. Gebärmuttervereiterung), der Scheide (z. B. Tumore, Schleimhautvorfall) oder des Gesäuges (z. B. Scheinträchtigkeit), aber auch die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sollten u. a. mit einer Kastration behandelt werden. Dementsprechend hat die operative Entfernung der Eierstöcke auch einen vorbeugenden Effekt für die genannten Krankheiten. Bspw. erkranken nur 0,5% der vor der ersten Läufigkeit kastrierten Hündinnen im Alter an Brustkrebs, 8% der vor der 2. Läufigkeit operierten, aber 26 % der intakten Hündinnen.
Nachteile der Kastration einer Hündin bestehen darin, dass einige Tiere manchmal erst Jahre später unkontrollierten Abgang von Urin (Inkontinenz) insbesondere im Schlaf zeigen. Harnträufeln tritt bei 31 % der Patientinnen mit einem Körpergewicht über 20 kg bzw. bei 10 % mit einem Körpergewicht unter 20 kg auf. Betroffene Weibchen sprechen i. d. R. gut auf Medikamente an, müssen allerdings zeitlebens behandelt werden. Eine weitere Nebenwirkung der Kastration macht sich bei langhaarigen Hunden mit glänzendem Deckhaar, z. B. bei Spaniels, Langhaardackeln und Irish Settern bemerkbar: Das Wollhaar wächst übermäßig; sie entwickeln ein stumpfes „Babyfell“. Auch Fettleibigkeit (Adipositas) tritt nach einer Kastration vermehrt auf. Allerdings kann der Tierhalter durch eine angepasste Ernährung dieser Erkrankung entgegen wirken.
Die Kastration des Rüden erfolgt in erster Linie, um unerwünschten, geschlechtsgebundenen Verhaltensweisen (z. B. bestimmte Formen der Aggressivität, Streunen, Markieren im Haus) entgegenzuwirken. Eine Unfruchtbarmachung wird besonders dann angestrebt, wenn männliche und weibliche Hunde im gleichen Haushalt leben. Der weiße, schleimige Ausfluss aus der Vorhaut (Präputialkatharrh) intakter Rüden ist ein weiterer Grund, aus dem eine Entfernung der Hoden vorgenommen wird. Medizinische Gründe für eine Kastration sind Erkrankungen der Hoden (z. B. Tumore) oder der Prostata (Zysten, Entzündung, Vergrößerung). Nicht abgestiegene Hoden (Kryptorchismus) sollten ebenfalls entfernt werden, weil sie dazu neigen, Tumore zu entwickeln.
Kastrierte Rüden sind häufiger übergewichtig als intakte Tiere. Deshalb sollte nach einer Kastration die Ernährung entsprechend eingestellt werden.
Katze
Die Kastration der weiblichen und männlichen Katze hat ebenfalls wesentliche Vorteile. Die unkastrierte Kätzin (und ihr Besitzer) erleben erheblichen Stress während der Zeit der Rolligkeit. Bleibt eine Trächtigkeit aus, wird sie nach kurzer Zeit wieder rollig. Unkastrierte Wohnungskatzen sind zudem oft wegen der Gefahr einer unerwünschten Trächtigkeit zur Einzelhaltung verurteilt. Die Kastration ermöglicht dagegen ein unbelastetes Katzenleben evtl. zusammen mit Artgenossen.
Unkastrierte und damit paarungsfähige Kater beanspruchen im Vergleich zu kastrierten männlichen Katzen ein riesiges Territorium, das sie bei ihrer Partnersuche durchstreifen. Dabei sind sie ständig erhöhten Risiken wie Autounfällen, Jagdunfällen, Verletzungen durch Kämpfe mit anderen Katern um die Gunst eines Weibchens oder Infektionen (z. B. Leukose – FeLV -, Katzen-AIDS – FIV - oder ansteckende Bauchfellentzündung – FIP -) ausgesetzt. In der Wohnung gehalten, neigen intakte Kater dazu, ihr „Revier“ mit Harn zu markieren; eine rechtzeitige Kastration verhindert dieses Verhalten. Schließlich ist die Kastration freilaufender Katzen auch angewandter Tierschutz, da die gezeugten Nachkommen oft herrenlos und ohne menschliche Führsorge leben und sich stark vermehren.
Die Kastration Ihrer Katze oder Ihres Katers kann Nebenwirkungen bzw. unerwünschte Folgen haben, über die man als Besitzer Bescheid wissen sollte. Nach der Operation wird der Patient sein Verhalten ändern. Dies ist aber durchaus positiv zu bewerten, denn einerseits besteht das stark ausgeprägte Fortpflanzungsbedürfnis nicht mehr und die Mensch-Tier-Beziehung wird enger; kastrierte Katzen sind oft verschmuster und anhänglicher als nicht kastrierte. Der Erfolg des Mäusejagens leidet übrigens unter der Verhaltensänderung nicht. Eine weitere negative Folge der Kastration kann die Entwicklung von Übergewicht sein. Übergewicht wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Gelenkerkrankungen (Arthrose), Leberverfettung (hepatische Lipidose), Hauterkrankungen oder gestörter Wundheilung zu leiden. Dieser Fehlentwicklung sollte deshalb unbedingt durch eine angepasste Ernährung vorgebeugt werden. Kastrierte Katzen neigen weiterhin verstärkt – vermutlich auch infolge des Übergewichts - zur Bildung von Harnsteinen und zu Verdauungsstörungen, insbesondere Verstopfung.
Wir empfehlen die Kastration weiblicher Katzen nach der ersten Rolligkeit, also in einem Alter von 6 – 10 Monaten, die Kastration männlicher Tiere ## bei ausgereiften Hoden ## (nach dem Beginn des Urinmarkierens), also in einem Alter von 8 – 10 Monaten.
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