Ernährung von Papageien und Sittichen
Was fressen Papageien in freier Natur?
Diese Frage kann bis heute nicht für alle Papageien- und Sitticharten abschließend beantwortet werden. Wir wissen aber, daß viele in der Obhut des Menschen gehaltene und gezüchtete Papageien- und Sitticharten nicht zu den Nahrungsspezialisten gehören, die sich nur von einem oder wenigen Futtermitteln ernähren. Vielmehr wissen wir recht genau, daß sie ein großes Spektrum an unterschiedlichen Futtermitteln zu sich nehmen.
Was sollten wir den Tieren füttern?
Wenn wir schon nicht genau wissen, welche unterschiedlichen Früchte, Beeren, Knospen, Rinden, Keimlinge, Nüsse, Blätter, Stängel, Samen, usw. die Vögel in der freien Natur zu den unterschiedlichen Jahreszeiten fressen (bzw. diese Futtermittel bei uns nur schwer oder gar nicht zu erhalten sind), so sollten wir bei der Fütterung doch wenigstens berücksichtigen, daß den Tieren eine möglichst große Vielfalt an verschiedenen Futtermitteln angeboten wird.
Die „Standard¬samen¬mischung für Papageienvögel“, die leider auch heute noch „tagein tagaus“ (z. T. über Jahre, sogar über Jahrzehnte) an viele Papageien verfüttert wird, stellt keine vollwertige Nahrung für Papageienvögel dar! Die Anzahl verschiedener Sämereien in diesen Mischungen ist i.d.R. gering; außerdem sind Sämereien/Körner alleine – auch wenn sie in großer Vielfalt angeboten werden – für eine ausgewogene Ernährung unzureichend. Desweiteren entwickeln sehr viele Vögel recht bald „Vorlieben“ für nur eine oder zwei Samensorten und ernähren sich dann ausschließlich davon. Häufig ist „das Ende vom Lied“, daß die Pfleglinge nur noch Sommenblumenkerne und Erdnüssen fressen.
Auf Fertigfuttermischungen aus dem Zoofachhandel muß aber nicht gänzlich verzichtet werden, sie sollten nur – wie o.g. – nicht als „Alleinfutter“ eingesetzt werden. Sofern die Futtermischung aus einer Vielzahl verschiedenen Sämereien bzw. Körnern besteht, sollte sie nur ca. 1/3 bis täglichen Ration ausmachen. Der Großteil des Futterangebots sollte sich aus frischem Gemüse, Kräutern, Getreide, Mais, Hülsenfrüchten und Obst zusammen¬setzen. Desweiteren können gekeimte Sämereien, salzlos gekochte(r) Kartoffeln, Nudeln und Reis sowie Vollkornbrot verfüttert werden. Hin und wieder kann in kleinen Mengen auch Magerjoghurt, Hüttenkäse, Magerquark und selten (als besonderes „Schmankerl“) salzarmer Hartkäse sowie salzlos gekochtes Fleisch angeboten werden. Wichtig ist, daß immer wieder neu zusammengestellte, abwechslungsreiche Futterrationen angeboten werden.
Vor allem bei Vögeln die stark Selektieren ist das Verfüttern von pelletiertem bzw. extrudiertem Futter eine sehr gute Alternative. Bei Pellets guter Qualität ist in jedem Futterbröckchen alles enthalten, was der Vogel (nach heutigem Wissensstand) für eine gesunde Ernährung braucht. Der Vogel kann somit nicht mehr „um das gesunde Futter drumherumfressen“.
Welche Futtermittel sind ungeeignet?
Absolut ungeeignet für die Ernährung von Papageien und Sittichen sind gewürzte, stark salzhaltige, gesüßte und fette Speisen, alkoholhaltige Nahrungsmittel und jegliche Art von Süßigkeiten (auch wenn es im wahrsten Sinne des Wortes „soooo süß“ aussieht, wenn der Papagei mit dem Schokoladenriegel „in der Hand“ auf der Stange sitzt).
Das Verfüttern von Nüssen wird heute kontrovers diskutiert. Einerseits stellen Nüsse (in kleinen Mengen verfüttert!) aufgrund ihres Gehalts an ungesättigten Fettsäuren ein hochwertiges Futtermittel dar, das von den meisten Papageien ausgesprochen gern genommen wird. Andererseits sind viele Nüsse (v. a. „überlagerte“ Erdnüsse) stark mit Schimmel-pilzsporen belastet. Da sehr viele Papageienvögel (v. a. Arten, die aus tropischen Gebieten stammen) unter Schimmelpilzerkrankungen (v. a. der Atmungsorgane) leiden, sollte die zusätzliche Belastung der Vögel durch hohe Pilzsporenkonzentrationen vermieden werden.
Ein absolutes Tabu (weil bei einigen Papgeien Todesfälle durch Vergiftungen aufgetreten sind) sind Avocados! Ebenso können Zigaretten, die zwar nicht als Futtermittel anzusehen sind, aber von einigen Vögeln (die oft sehr neugierig sind und alles „untersuchen“ wollen) mit dem Schnabel aufgenommen werden, Vergiftungs¬erscheinungen hervorrufen.
Muß man noch was „zufüttern“?
Ja. Auch bei noch so vielfältiger Ernährung können wir nicht 100 %-ig sicher sein, daß unsere gefiederten Freunde mit allem, was sie brauchen, versorgt sind. Aus diesem Grund sollte das Futter regelmäßig (1 bis 2 mal pro Woche) mit einem Mineral- und Vitamingemisch (z. B. Korvimin ZVT®) ergänzt werden. Zur Kalziumversorgung sollten Sepiaschalen angeboten werden oder zerriebene Schalen von hartgekochten Eiern über das Futter gegeben werden. Desweiteren brauchen die meisten Papageien und Sittiche immer die Möglichkeit, Grit frei aufnehmen zu können.
Auf den Punkt gebracht
Saatenmischungen sind als Alleinfuttermittel für Papageien ungeeignet
Viele Futtermittel, die in der freien Natur gefressen würden, sind bei uns nicht oder nur sehr schwer zu bekommen
Die meisten Papageien und Sittiche nehmen in der freien Natur ein großes Spektrum unterschiedlicher Futtermittel zu sich
Aus langjährigen Beobachtungen kennen wir viele bei uns erhältliche Futtermittel, die wertvolle Inhaltsstoffe beinhalten, von den Tieren gut vertragen werden und eine gute Akzeptanz aufweisen
Bereiten wir unseren Pfleglingen hieraus eine möglichst abwechslungsreiche und viel-gestaltige Fütterung
